Mittwoch, 17. Dezember 2008

Montag, 17. Dezember - vom Workshop...


Beim Workshop in Madurai

Meenakshi Tempel in Madurai (wegen Restaurationsarbeiten Tuerme leider verhuellt)Die farbenfrohe und riesige Tempelanlage
Unsere Kinder beim Sonntag morgendlichen Meditieren
Chitra, Banupriya, Murugeswari und Bethamal freuen sich, dass ein Bild gemacht wird
Ein Gruppenfoto von Abhaya beim Besuch von Hemalatha zu HauseBeim Basteln unserer Weihnachtsgruesse
Einige Ergebnisse der mehrstuendigen Aktionen
Manju und Yuva praeparieren die Lichter, die den Eingang von Abhaya zieren sollen Das ist das wunderbare Ergebnis
… zurueck ins Abhaya. Seit gestern Nacht sind wir wieder „zu Hause“ in Coimbatore . Sonntag Mittag haben wir uns mit unserem Direktor auf den Weg nach Madurai begeben. Aufgrund der Einschaetzung des Direktors, der uns als engagierte Freiwillige erlebt, durften wir ihn fuer zwei Tage auf einen Workshop fuer Cooperated Social Responsibility (CSR) begleiten. Es waren ca. 50 Verantwortliche verschiedener NGOs (Non Governmental Organisation) aus ganz Tamil Nadu vertreten. So hatten wir die Chance, viel ueber andere NGOs zu lernen, ueber ihre Aufgabenfelder zu erfahren und neue Kontakte zu knuepfen. Wir wurden auf einige "field visits" und Projektbesuche eingeladen.
Am ersten Tag handelte der Workshop von den Moeglichkeiten einer NGO, wie sie Gelder durch die soziale Verantwortung verschiedener Industrien und Firmen, erhalten koennen.
Da das Nachmittagsprogramm eine Gruppenarbeit auf Tamil war, wurde fuer uns eine Riksha bereitgestelllt. Zusammen mit Pandi, dem Fahrer, konnten wir uns das Ghandi-Museum und den bekannten Meenakshi Tempel ansehen. Fuer uns war es besonders erlebnisreich, da Pandi uns auch Plaetze gezeigt hat, die nicht typisch touristisch waren.
Der Tempel hatte eine grossartige Atmosphaere. Auf der einen Seite Menschen, die glauebig in den Tempel stroemen und auf der anderen Seite das Kommerzialisieren durch hunderte Touristenstaende und aufdringliche Verkaeufer. Wir waren froh, dass wir einen Einblick in die Stadt bekommen konnten.
Der zweite Tag hat sich im Grossen und Ganzen mit der Frage beschaeftigt, wie man als NGO Glaubwuerdigkeit erhalten kann, um Sponsoren und Foerderern Zweifel an dem Unternehmen zu nehmen. Eine Moeglichkeit ist die „Credibility Alliance“ (www.credall.org.in), die einer NGO nach langwieriger Ueberpruefung und Befragung ihre Glaubwuerdigkeit und Transparenz bestaetigt. Viele Details muessen offengelegt werden und im alljaehrlichen Report muessen alle Ausgaben und Vorgaenge dargelegt sein. NMCT ist seit 2 Jahren Mitglied in dieser Alliance.
Der zweite Teil des Tages hatte einen aehnlichen Hintergrund. „GiveIndia“ (www.GiveIndia.org) ist ein Internetportal, in dem jegliche Sponsoren- von Firmen bis Privatpersonen- online spenden koennen. Man kann unter vielen Themenbereichen wie Kinder, Frauen, Gesundheit oder Bildung, und vielen Organisationen, wie auch NMCT waehlen. Der Sponsor bekommt von der NGO ein persoenliches Feedback ueber den Erfolg, der mit der Spende erreicht worden ist. Um als NGO in dem Portal aufgelistet zu werden, sind aehnliche Kriterien wie in „Credibility Alliance“ gefordert. Diese wurden den Direktoren auf dem Workshop erlaeutert.
Fuer uns war es interessant zu sehen, wieviel Aufwand dies eine fuer eine NGO bedeutet, da sie viel ueber die eigenen Arbeitsvorgaenge, Arbeitsweisen und Intentionen reflektieren muessen. Ein solcher Vorgang kann Monate bis Jahre dauern.

Unsere Kinder haben sich riesig gefreut, als wir nach 3 Tagen wieder zu Hause waren, da sie wissen, dass wir sie nun in den Vorbereitungen auf ihre Halbjahresexamen unterstuetzen koennen. Das ist fuer die Kinder immer eine stressige Zeit, sodass wir die letzten, etwas entspannteren Wochen genutzt haben, um mit den Kindern zu basteln.
Neben den Grusskarten fuer alle Unterstuetzer von NMCT haben wir zusammen auch Weihnachts- und Neujahrskarten fuer unsere neue Partnerschule aus Hamburg, „Schule an der Gartenstadt“, hergestellt. Sie haben uns ebenfalls mit Briefen erfreut und ihren Erloes vom schulinternen Weihnachtsmarkt gespendet.

Unsere Case Studies gehen sehr gut voran. Wir haben begonnen, mit den Kindern Einzelgespraeche zu fuehren. Mit Hilfe von Banama, der Counselorin im Abhaya, als Uebersetzerin wollen wir damit zum Einen, die Familienhintergruende und Sorgen der Kinder in Erfahrung bringen und mit ihnen Vergleiche zwischen ihrem „neuen“ Leben im Hostel und vorherigem Leben ziehen. Zum anderen nutzen wir diese Gelegenheit, um mit ihnen ueber ihre Probleme und Aengste zu reden. Das ist fuer uns jedes Mal die Moeglichkeit, sie zu ermutigen und die Kinder freuen sich, wenn wir ihnen Ratschlaege geben koennen.
Diese Gespraeche dauern oft sehr lange, sind sehr intensiv. Da die Kinder zu uns ein sehr grosses Vertrauen aufgebaut haben, sind sie sehr ehrlich und erzaehlen uns oft von den Missstaenden zu Hause und ihren Gefuehlen dazu. Besonders diese Aspekte sind sehr gut, um sie in unsere Case Studies mit einzubauen.

Weihnachten ist jetzt zum Greifen nahe und wir freuen uns darauf mit den anderen Weihnachten zu feiern und uns mit ihnen auszutauschen.
Wir werden wohl keine Zeit mehr haben, vor Weihnachten unseren Blog zu aktualisieren, deshalb wuenschen wir allen fleissigen Lesern Frohe Weihnachten!
Liebe Gruesse
Kerstin und Laura

Montag, 1. Dezember 2008

Montag, 1. Dezember – in 80 Tagen...

Beim Wochenendausflug mit den Kindern auf eine Kokosnussfarm...
... fuehlen wir uns selbst auch wieder klein. Natuerlich schlaegt unser Kokosnussherz dabei schneller.
Unsere fleissigen Schueler glaenzen in ihrem Zwischenexamen momentan fast alle mit sehr guten Noten.
Die Familie von Bethamal (ganz links) konnte die letzten Tage nicht schlafen, weil Regenguesse ihre Huette durchnaesst haben.
Leider hat Mahalakshmi unser Hostel verlassen, weil sie nicht mit der neuen Art von Lernen und Leben zurechtkam.
Stolz zeigen uns die beiden Geschwister Pandi Selvi und Murugeswari ihr Zuhause.Auch Hemalatha war es eine grosse Freude uns die aus getrockneten Bananenblaettern gebaute Huette zu zeigen.
Wir sind hier gluecklich! Happy!
Unser toller selbstgemachter Adventskalendar.
...durch das indische Leben. Unvorstellbar, aber wir sind tatsaechlich schon 80 Tage in Indien. Uns rennt die Zeit davon, bei dem, was wir uns noch fuer die restliche Zeit in Indien vorgenommen haben.
Der Alltag mit den Kindern hat sich mittlerweile sehr gut eingestellt, trotzdem vergeht kein Tag, der uns nicht vor neue Herauforderungen oder Erlebnisse stellt.
So ist unser Wecker morgens schon fest auf 6.30 Uhr programmiert, da die Kinder um 7 Uhr auf unsere Unterstuetzung beim allmorgendlichen Haareflechten vertrauen. Wie es auch bei unserer Schulzeit frueher nicht anders war, werden viele Hausaufgaben noch morgens vor dem Fruehstueck auf dem letzten Druecker erledigt. Schon bald haben unsere Kinder herausgefunden, dass dies wesentlich schneller mit Hilfe von Laura-Akka (sister) und Kerstin-Akka vorangeht. Nach unserem gemeinsamen Fruehstueck und dem taeglichen Ohm-shanti-shanti Gebet, bringen wir die Kinder in die ca. 300 m entfernte Schule.
Die Zeit, die die Kinder in der Schule verbringen, wird von uns auf verschiedenste Weise genutzt, wie wir schon viele Beispiele gebracht haben. Die letzten zwei Wochen haben wir einige unterschiedliche Schulen und Schulformen besucht und koennen uns somit ein grobes Bild von Kindergarten, Grundschule und teurer Privatschule machen. Obwohl wir viele Gemeinsamkeiten feststellen koennen, gibt es auch viele gravierende Unterschiede. Diese sind besonders in der Art und Weise des Lehrens zu entdecken. Schlagstock ist kein Tabu und selbststaendiges Denken wird nicht unbedingt gross geschrieben.
Ausserdem hatten wir an der Privatschule die Moeglichkeit eine Science Exhibition, eine Food Competition und ein kulturelles Fest mit viel Gesang und traditionellem Tanz mitzuerleben. Es ist mittlerweile ganz normal fuer uns, dass wir sogar bei solch grossen Veranstaltungen auf die Buehne geholt werden, um Preise und Geschenke zu ueberreichen, oder einfach nur fuer ein Bild zu posieren.

Wenn es in unserem zeitlichen Rahmen liegt, ist es fuer uns immer eine grosse Freude, unsere Kinder von der Schule abzuholen. Dies endet jedes Mal mit einem Wettlauf, wer als erstes das Hostel erreicht. Anschliessend wird uns auf Englisch, Tamil oder einer seltsamen Mischung von beidem berichtet, was die Maedchen in der Schule erlebt haben. Stolz wird von guten Resultaten erzaehlt, ueber boese Lehrer geklagt oder ueber den Streit mit der besten Freundin diskutiert. Nach unserem Tee und kleinen Snacks wird die Zeit bis zur Study-time mit erneutem Haare machen, Badminton spielen, Fahrrad-fahr-Versuchen, ausgelassenem Rumtoben und natuerlich Carrum Board spielen genutzt. Nachdem die Maedchen ihre Hausaufgaben erledigt haben, ist unser Einsatz als Englischlehrerin gefragt (meist gegen 19.30 Uhr).
Am Nachmittag sind die Kinder ausserdem immer wieder gefragt, zu verschiedenen Zeiten ihr Hostel sauber zu halten, zu waschen und ihren gemeinsamen Schlafraum aufzuraeumen. Ausserdem kommen oefters wichtige Persoenlichkeiten aus der Umgebung in das Hostel, um die Kinder zu sehen, an ihren Schicksalen teilzuhaben und sie durch materielle oder finanzielle Spenden zu unterstuetzen.
Meist hat unser Tag erst um 21.30 Uhr sein Ende, wenn wir Papaya oder Bananenchips essend auf unserer Dachterasse sitzen und mit Pauli (ja Herr Tepel, er ist ein Maedchen) spielend unseren Tag ausklingen lassen.

Unser momentaner Schwerpunkt in unserer Arbeit fuer NMCT liegt in den Case Studies, die wir von unseren Maedchen erstellen. Wir sehen diese Arbeit als einen wichtigen Teil an, von dem das Abhaya Students Shelter langfristig nutzen tragen kann. Neben den Familienhintergruenden und den Schicksalen versuchen wir auch, die Entwicklung der Kinder, seit sie im Hostel leben, zu dokumentieren.
Fuer unsere Studien ist es wichitg, sich nicht nur auf die Kinder zu konzentrieren, sondern auch mit den Eltern ins Gespraech zu kommen. Um einen moeglichst intensiven Eindruck von den Verhaeltnissen der Kinder zu bekommen, besuchen wir mit ihnen zusammen ihr zu Hause. Fuer die Maedchen ist das jedes Mal eine grosse Freude und sie sind stolz uns ihre „Haeuser“ und Familien zu zeigen. Fuer uns ist das jedes Mal von neuem eine bedrueckende Situation, in welch aermlichen und schlechten Verhaeltnissen Menschen leben koennen. Ohne Wasser, Strom, sicherem Dach oder jeglicher Privatsphaere. Auch die Geschichten der Familien, die hinter den Kindern stehen, sind fuer uns oft unvorstellbar. Die Eltern einiger Kinder sind beide HIV positiv und es ist bedrueckend, wie sehr diese Infektion das Leben veraendern kann. Wenn ploetzlich das sichere Einkommen des Vaters wegfaellt, weil er zu schwach ist, um zu arbeiten, steht die Familie auf einmal vor der Frage, wie sie die Miete und das Essen bezahlen soll. Die Kinder stehen ploetzlich vor einer ungewissen Zukunft und wissen oftmals nicht einmal, warum jetzt alles anders ist. Andere haben beide Elternteile verloren und lebten als Waise bei ihren Grosseltern oder Geschwistern, die sich nicht um die Bildung des Kinder kuemmern konnten oder die Notwendigkeit nicht erkannten. Viele dieser Geschichten sind ein Spiegel der Unaufgeklaertheit ueber HIV/Aids oder einfach der Vernachlaessigung von Bildung. Viele der Eltern koennen selbst weder lesen, noch schreiben. Deswegen muss NMCT oftmals viel Ueberzeugungsarbeit leisten, um Angehoerigen der Kinder, die Chance und Vorteile des Hostels nahe zu bringen.
Da wir sehr eng mit unseren Maedchen zusammenleben, koennen wir besonders im alltaeglichen Umgang auch ihre Entwicklung, die wir versuchen in unsere Case Studies einzubinden, am besten beobachten.

Normalerweise sind unsere Informationen ueber Geschehnisse in der Welt oder gar in Indien selbst sehr duerftig und stammen wenn, dann aus heimischen Anrufen und Emails. Doch die Geschehnisse in Mumbai sind auch bei uns ein grosses Thema. Unsere Freunde hier sind sehr mitgenommen von der Tatsache, dass Terror in solchem Masse um sich greifen kann.
Nachdem unter den Todesopfern auch einige Deutsche zu zaehlen sind, haben wir von der indischen Vertretung der Karl Kuebel Stiftung eine eingeschraenkte Bewegungsfreiheit zugeteilt bekommen. Solange die Unruhen anhalten und noch Vieles ungeklaert ist, duerfen wir als Weisse nicht ohne Begleitung in die Stadt fahren.

Obwohl hier in Indien nichts darauf hindeutet, dass die Adventszeit angebrochen ist, freuen wir uns auf Weihnachten. Unser selbstgemachter Adventskalendar haengt schon quer durch unser Zimmer, die Vorbereitung fuer die Dekoration im Aufenthaltsraum der Kinder laeuft auf Hochtouren und das Rezept fuer Omas Vanillekipferl ist auch schon parat. Jetzt fehlt nur noch der Schnee. Stattdessen haben wir hier neben warmen Temperaturen gelegentlichen Regen. Pauli ist inzwischen ein richtig grosses Maedchen geworden und gedeiht praechtig. Sie hat nun fast die Groesse einer Katze erreicht und hoert auf ‚sit’ und ‚lay down’.

Wir wuenschen allen fleissigen Lesern, die sich fuer unser Leben in Indien interessieren, eine schoene Adventszeit.

Laura und Kerstin

Montag, 17. November 2008

Montag, 17. November – ein paar schoene, erlebnissreiche Tage mit unseren Kindern...

Geburtstagskuchen wird angeschnitten
Wetthickeln
Ganz diszipliniert stehen sie da
Sie warten auf den Anpfiff
schoooeeenn!!
Das Feuer ist eroeffnet
und die Kleinen Freuen sich!
wir uns natuerlich auch

Da fehlt wohl ein Buchstabe
Popeye und Pauli....
... haben wir letzte Woche erlebt.
Heute ist wieder Montag, Dokumentationstag, sprich, eine Chance fuer uns mal wieder unser indisches Leben nach Deutschland zu befoerdern. Zum Glueck dauert dies nicht so lange, wie manche Briefe (Lauras brauchten doch tatsaechlich fast 4 Wochen), die von uns schon fleissig abgeschickt worden sind.

Am 13. November hatte Banupriya ihren 9. Geburtstag und es war das erste Mal, dass eines der Kinder durch das Abhaya die Chance hatte, ihren Geburtstag als etwas Besonderes feiern zu koennen. Da unsere Maedchen alle aus sehr armen Verhaeltnissen kommen, wurde bisher diesem Ereignis keine Beachtung geschenkt. Deswegen kennen einige noch nicht einmal ihren Geburtstag und bei Jothi zweifeln wir sehr an ihrem angegebenen Geburtsjahr.
Auch wir beide haben an diesem Tag sehr an zu Hause denken muessen, weil Kerstins Vater und Lauras Oma ebenfalls Geburtstag hatten. Als die Kinder abends aus der Schule kamen, gab es eine kleine Geburtstagsfeier mit Liedern, Glueckwuenschen und einem Kuchen. In Indien ist es ueblich, etwas ueber das Geburtstagskind zu sagen, bevor es den Geburtstagskuchen anschneiden darf. Durch die Aufmerksamkeit unserer Mentorin hatte sie von den 2 „Geburtstagskindern“ aus Deutschland mitbekommen und alle Anwesenden haben ihre Glueckwuensche auch an unsere Familienmitglieder uebermittelt. Stellvertretend fuer Papa und Oma durften wir dann mit Banupriya den Kuchen anschneiden. Es war total schoen fuer uns, dass sich alle mit unserer Familie zu Hause verbunden haben.
Natuerlich durfte Rolf Zuckowski mit „Heute kann es regnen...“ und das typische „3 mal hoch“ nicht fehlen.

Am naechsten Tag ging es dann weiter mit der guten Laune. Am 14. November ist in Indien traditionell der „Childrens Day“. Da dies ein besonderer Tag fuer die Kinder sein soll, wurden wir gefragt, ob wir uns nicht ein Programm fuer den Abend ueberlegen koennten. Unser Dach wurde also zu einer Spielstaette umfunktioniert, wo wir mit den Kindern einen kleinen Wettbewerb mit Disziplinen wie Seilspringen, Hickeln, Reise nach Jerusalem, Eierlauf und Tauziehen, veranstaltet haben. Anschliessend gab es dann die Siegerehrung, bei der natuerlich jedes der Maedchen ein Sieger des Abends war. Malathi, unsere Ansprechpartnerin aus dem KKID, hatte den Kindern Kracher und Wunderkerzen gesponsort, so dass wir gemeinsam mit ihr diesen Abend mit einem grossen Feuerwerk ausklingen lassen konnten. 14, mit Feuer unerfahrene Kinder unter Kontrolle und in Sicherheit zu bringen, war dabei das besondere Kunststueck. Es ist uns jedoch ohne groessere Traenen und Verbrennungen geglueckt, alle Kracher anzuzuenden.
Vollkommen ermuedet gingen die Kinder ins Bett, waehrend fuer uns aufraeumen angesagt war.
Vor einer Woche war Herr Tepel von der Karl Kuebel Stiftung zu Besuch bei NMCT. Er nutzte die Chance ein kleines Feedback von den Kindern und einigen Mitarbeitern ueber unseren Aufenthalt zu erhalten. Wir waren sehr geruehrt, als sie uns von ihren anfaenglichen Aengsten berichteten, die sich inzwischen in grosse Freude umgewandelt haben. Sie sind begeistert von unseren Spielen, Tanz-, Musik-, und Englischunterricht und bezeichnen uns strahlend als ihre Freunde, die doch bitte nicht wieder nach Deutschland zurueckgehen sollen.
In unserem Englischunterricht haben wir endlich eine richtige Struktur, sodass wir erste Erfolge verzeichnen koennen. Kerstin unterrichtet die 5.-8. Klasse, mit denen die Kommunikation in Englisch inzwischen ganz gut funktioniert. Laura versucht sich an den ganz Kleinen, die jedoch noch nicht einmal richtig Tamil schreiben koennen. Waehrend Kerstin Grammatik paukt, ist Lauras Kreativitaet fuer ausgefallenen Aktions-Unterricht gefragt. Durch dieses spielende Lernen haben die Maedchen am Samstag sogar gelernt, die Uhr zu lesen.

Nach diesem Erfolg wollten wir gerade unseren freien Nachmittag antreten, als Shankar uns mitteilte, dass es vor einer Stunde einen Todesfall in seiner Familie gegeben hatte. Seetha und Shankar wollten deshalb zur Kondolenz nach Kerala fahren. Die Stadt Kochin liegt 180 km von Coimbatore entfernt. Wir wurden spontan eingeladen, sie doch einfach auf der sechsstuendigen Autofahrt zu begleiten, uns fuer 2-3 Stunden die Stadt am Meer anzusehen und nachts wieder mit ihnen zurueckzufahren. Der Plan war gut, doch typisch indisch kam wieder alles anders.

Wir standen 2 Stunden im Stau und waren letztendlich erst nachts um 9 Uhr in Kochin. Da alles dunkel war und man keine Sehenswuerdigkeiten mehr besuchen konnte, fiel unsere Sightseeingstour aus. Stattdessen wurde richtig lecker gegessen und wir konnten sogar ein Foto vom Meer machen. Nach Tee, Ananas und Bananenchips haben wir dann den Rueckweg angetreten.
In Deutschland waere das wohl eine sinnlose Reise gewesen, (vor allem weil Shankar genau 30 Mintuen bei der Trauergemeinde sein konnte) hier aber war es wie immer ein grosses Erlebnis. Wir sind durch die traumhafte Landschaft von Kerala gefahren, haben von Seetha und Shankar viel ueber indische Traditionen gelernt und hatten zusammen einfach viel Spass.
Unser Spontantrip war nachts um halb 5 beendet und wir wurden zu Hause von einem inzwischen immer dicker und groesser werdenden Paul erwartet.

Einem langen Schlaf entgegensehnend, sind wir todmuede ins Bett gefallen.
Kerstin: “Laura, mach bloss den Wecker aus, morgen haben wir erstmals die offizielle Erlaubnis vom Chef, ausschlafen zu koennen!!“
Aber wir haben die Rechnung ohne unsere geliebten Kinder gemacht. Morgens um halb Sieben hiess es laut an unserer Tuere klopfend: KERSTIN-SISTER, LAURA-SISTER! DOG!!!- die fuersorglichen Kinder kamen zur allmorgendlichen Hindu-Hundi- Fuetterung...so viel zu indischem Ausschlafen.
Liebste Gruesse und bis bald!
Kerstin und Laura

Mittwoch, 12. November 2008

Mittwoch, 12. November- Von einer indischen Zeremonie...

Aberna, das 3-jaehrige Maedchen als Hauptperson an diesem Tag


Erstaunlich wie laut man mit einer Natheshwaram spielen kann


Wir als Teil der Festgaeste, die die Gaben zum Tempel tragen


Auf der Buehne: in der Mitte der Onkel, aussenrum ist die Familie versammelt

autsch!

...namens Kadhukuthu:

Wenn ein Maedchen in Tamil Nadu sein 3. Lebensjahr beendet hat, findet traditionell die Feier „Kadhukuthu“ statt. Der Anlass der Zeremonie ist das erstmalige Stechen der Ohrloecher des Maedchens. Neben dem Schoenheitsaspekt dient dies nach dem hinduistischen Glauben als Schutz vor dem Boesen und zur Erhaltung der Gesundheit des Kindes.
Im Mittelpunkt dieser Feier steht neben dem Maedchen und den Eltern auch der Onkel, auf dessen Schoss das Kind waehrend des Eingriffs sitzt.

Als Vorbereitung fuer diesen speziellen Anlass bekommt das Maedchen frueh am Morgen den Kopf kahl rasiert, welcher anschliessend mit Santhanam bestrichen wird. Santhanam ist ein gelbes Pulver, das im Hinduismus zur Ehrung und Heiligung genutzt wird.
Die Feier beginnt sobald die Gaeste aus der Verwandschaft und der engen Nachbarschaft eingetroffen sind. Wie viele indische Feiern wird diese durch den Gang zum Tempel eroeffnet. Es werden Teller mit Suessigkeiten, kleinen Snacks, Kokosnuessen, Raeucherstaebchen und natuerlich auch den Ohrringen zum Tempel herangetragen. Diese Prozedur wird lautstark von Musikern begleitet, die auf traditionellen Instrumenten, wie einer Thavil (Trommel) oder einer Natheshwaram (Floete), spielen.
In dem Tempel selbst werden die Gaben von dem Tempelpriester geehrt. Dieser Vorgang entspricht der ueblichen Pooja (Verehrung): nachdem alles Mitgebrachte in dem Tempel aufgebahrt wird, heiligt es der Priester mit einem kleinen Feuer. Anschliessend wird ganz traditionell die Tempelglocke gelaeutet und die Tempelbesucher bestreichen ihre Stirn mit Kunkumam (rotes Pulver) und Santhanam (gelbes Pulver). Zuletzt segnet der Priester die Gaeste, indem er sie mit geheiligtem Kokosnusswasser bespritzt.

Am Ort der Zeremonie werden auf einer festlich dekorierten Buehne die Suessigkeiten, Snacks, Bananen und Ohrringe platziert und die Kerzen zur Eroeffnung der Zeremonie angezuendet.
Nachdem den Eltern des Kindes das neue Kleid fuer die Feier ueberreicht wird, nehmen sie neben den Grosseltern, engen Verwandten und dem Onkel auf der Buehne Platz. Das Maedchen selbst wird auf den Schoss ihres Onkels gesetzt. Nun warten alle gespannt auf den Hoehepunkt der Versammlung. Unter viel Geschrei werden dem Kind schliesslich die Ohrloecher von einem Thattan (Goldschmied) gestochen. Um das Maedchen zu troesten und den Schmerz schnell vergessen zu lassen, wird ihr dabei eine Banane in den Mund gedrueckt. Der gesamte Vorgang ist fuer die Anwesenden sehr amuesant, weswegen lautstark gelacht und geklatscht wird. Je nach Stillhaltevermoegen des Kindes kann dies einige Zeit dauern.

Als Anerkennung und Dank wird dem Onkel anschliessend ein Ring von den Eltern ueberreicht, waehrend dem Maedchen von Verwandten und Freunden Geld geschenkt wird.

Zum Abschluss der morgendlichen Zeremonie gibt es ein zweites grosses Fruehstueck und auch am Mittag werden viele weitere Gaeste fuer ein gemeinsames Festessen erwartet.
Ihr seht also an dem Beispiel mal wieder , wie verschieden die indische Mentalitaet und Lebensweise zu unserer ist. Obwohl dies so ist, sind wir jedes Mal total neugierig auf solch neue Erlebnisse, bei denen wir teilnehmen koennen. Eine Sache, die uns dabei aber regelmaessig nervt, ist, dass wir von vielen Indern immer in den Mittelpunkt gedraengt werden und fuer Fotos herhalten muessen, obwohl wir oftmals viel lieber als stille Beobachter oder als normale Gaeste anwesend waeren. Andererseits bekommt man in den ersten Reihen natuerlich auch viel mehr mit, als in den hinteren.
Jetzt gibt es leckere Idly zu essen, deshalb
indische Gruesse,
von Kerstin und Laura

Samstag, 1. November 2008

Samstag, 1. November- Von Festen, Kindern und Hochzeiten…


Unsere Kinder- inzwischen fast alle Windpocken-frei


Grosse Tanzeinlage einer ganz Kleinen bei der Kleideruebergabe fuer Deepavali


Unsere Chithra und ihr neues Kleid



Ein indischer Tanz bei der grossen Deepavali Function

Laura in den Teeplantagen

Unser neues Lieblingsspiel- Carrum Ball. Hier beim Familystay mit neuem Outfit

Unser Ziel der weiten Reise- ein Fluss zum Planschen

Kerstin und Laura bei schoenstem Wetter (nein, wir laufen nicht immer im Partnerlook rum)
Tee, Tee, Tee und Pfeffer

Kerstin und das kleine Waisenkind (wir wollten ihn mit ins Kinderheim nehmen)

Das kleine Waisenkind und Laura (er wuerde sich wohl nicht mit Paul vertragen)

Der Nationalvogel von Indien

Laura und Laura, Jana und Kerstin. Wir essen EIIIIS!

Wer braucht schon Teller oder Besteck???
Ranjeetha, unser neue identifiziertes Maedchen fuer das Abhaya Shelter

… berichten wir heute. Nachdem wir in unserem letzten Blogeintrag viel von unseren Einblicken in die Projekte von NMCT geschrieben haben, wollen wir heute ein bisschen mehr auf unsere Zwischenmenschlichen Beziehungen zu den Kindern und unseren neuen Freunden und natuerlich auf dieErlebnisse der letzten Tage eingehen.

Seit wir unsere Freundinnen in Indien gefunden haben, hatten wir viele Gelegenheiten uns auch auf sehr persoenlicher Ebene mit ihnen auszutauschen. Das groesste Interesse von beiden Seiten lag meist beim Thema "Marriage- arranged or not?". Leider ist es manchmal auf Grund der Sprachbarriere etwas schwierig, fuer alle Fragen eine Antwort zu erhalten, aber trotzdem koennen wir uns schon ein gewisses Bild von Ansichten der Frauen machen. Dieses Thema beschaeftigt uns natuerlich sehr, weil wir uns einfach nicht vorstellen koennen, jemanden zu heiraten, der von den Eltern als passend ausgewaehlt wird, ohne ihn zu lieben. Es scheint ganz komisch zu sein, denn hier geht die Damenwelt einfach davon aus, dass sie automatisch ihren Ehemann lieben wird. Waehrend es fuer uns ganz normal ist in unserer Jugend das erste mal unsterblich verliebt zu sein, ist es komisch, wie distanziert hier mit dem Thema umgegangen wird, und wie viele Fragen nur unter Lachkraempfen beantwortet werden. Obwohl viele sehr gebildet sind, und von uns als recht westlich eingestuft werden, kommt dann oft gerade von dieser Seite eine grosse Zustimmung zu dieser Art von Ehe. Natuerlich gibt es aber auch viele Zweifel und Aengste, welche von schlechten Erfahrungen der aelteren Schwester oder Bekannten untermalt werden.
Auf unsere Frage hin, was denn ist, wenn sie den Ehemann nicht moegen, bekamen wir folgende Antwort: "That’s the best part- we can blame our parents!!!!"

Vor knapp einer Woche konnten wir hier in Indien das grosse Fest Deepavali miterleben. Schon im voraus mussten dafuer (aehnlich wie in der Weihnachtszeit) Vorbereitungen getroffen werden. Es ist z.B. ueblich, an dem Festtag ein neue Kleidung zu tragen (Seetha hat uns auch je einen Shalwar Kameez mitgebracht). Aus diesem Grund gab es am Freitag vor dem Fest, in unserem Abhaya Shelter eine Zusammenkunft von ungefaehr 40 Kindern, welche von HIV/Aids betroffen sind und ihren Sponsoren von einer grossen Kleiderfirma. Jedem Kind wurde fuer diesen Anlass ein neues Kleid ueberreicht und natuerlich war die Freude sehr gross- sowohl bei den Kindern, als auch bei uns, wie wir die strahlenden und stolzen Gesichter sehen konnten. Als Dank tanzten und sangen die Kinder, oder trugen Gedichte vor. Das ist fuer uns jedes mal sehr faszinierend, denn selbst den Kleinsten scheint schon das Talent zum Singen und Tanzen in die Wiege gelegt zu sein.
Anschliessend hatten wir die Moeglichkeit uns mit einigen der Sponsoren zu unterhalten. Ihr Feedback ueber unsere Arbeit und unser Engagement fuer die Kinder war enorm postiv. Zusammen haben wir festgestellt, dass wir zwar nicht, wie sie, die finanzielle oder materielle Unterstuetzung bieten koennen, dafuer aber die ideele. Naemlich im Sinne von Vorbild-sein , als Ansprechpartner, Lehrer und einer einfach einer engen Bezugsperson, mit der sie viele sorgenfreie, lustige und wertvolle Stunden verbringen koennen. Wir finden es sehr schoen, dass wir hier den gesamten Alltag der Kinder miterleben. Das hat zur Folge, dass viele Englischfortschritte auf die normale Kommunikation beim Essen oder Spielen zurueckzufuehren sind.
Das Fest an sich konnten wir bei einer Gastfamilie in Gudalur erleben. Gudalur liegt ca. 150 km (6 Autofahrstunden) von Coimbatore entfernt, und bietet eine wunderschoene Landschaft in den Bergen. Ehrlich gesagt hatten wir von Deepavali mehr erwartet, aber es schien wohl auch so, dass unsere Gastfamilie nicht besonders euphorisch im Feste feiern ist. So wurde nicht wie versprochen nachts um 3 ein Feuerwerk gestartet, sondern bis um sechs Uhr "ausgeschlafen". Anschliessend wurde jedoch zeremoniell Oel ueber unseren Kopf getroepfelt und das Zimmer ausgeraeuchert. Und natuerlich gab es Suessigkeiten ohne Ende und leckeres Essen. Nachdem Tempelgang am Morgen schien der Tag jedoch eher als "Rest"-Day genutzt zu werden.
Zum Glueck hatten wir sehr nette Nachbarn, die uns spontan in ihre Teeplantagen eingeladen haben, wo wir dann auch den gesamten Nachmittag bei schoenstem Wetter verbracht haben. Wir haben uns wie im Paradies gefuehlt. Im Vergleich zum lauten, schnellen und ueberfuellten Stadtleben von Coimbatore, war es eine wunderschoene –fuer uns neue- Seite von Indien. Auch den naechsten Tag haben wir in der freien Natur verbracht. Wir waren in einem Tribal-Gebiet, umrundet von nichts ausser Gruen. Durch Bananenplantagen, kleinen Pfaden, und knietiefen Matsch, ging es zu einem wilden Fluss, in dem wir unsere schmutzigen Klamotten und Fuesse beim planschen reinigen konnten.
Leider kamen wir aufgrund leichter Zeitverzoegerung, weil wir wie kleine Kinder nicht vom Wasser weg zu kriegen waren, zu spaet zum Elefantenritt und mussten uns mit der Fuetterung zufriedengeben. Wir hatten aber das Erlebnis einen kleinen Elefanten-Waisen zu streicheln…so suesss.

Diese amuesante und erlebnissreiche Zeit war fuer uns eine kleine Erholung, wobei wir diese auch wirklich noetig hatten, da die Tage davor nicht so einfach fuer uns waren.
Jeden morgen machten wir uns mit Banama auf die 3 stuendige Reise nach Tirupur und Avinasi, wo wir durch das CHAHA-Projekt (Children affected with HIV/AIDS -Health and Happiness for all) unsere ersten HomeVisits gemacht haben. Wir haben Kinder in ihren Familien besucht, die entweder selbst AIDS haben, oder durch ihre Eltern von diesem Thema betroffen sind. Viele sind Waisen oder Halbwaisen und leben in fuer uns unvorstellbaren Verhaeltnissen. Die Kinder zu besuchen ist nicht einfach, da man ihnen ansehen kann, wie schlecht es ihnen geht. Sie sind mager und haben so ein traurige Gesicht, dass man glaubt sie haben seit Jahren nicht mehr gelacht. Es ist jedoch gleichermasen wunderbar fuer uns zu sehen, wie NMCT das Leben der Familien und besonders der Kinder verbessert. So haben wir ein Kind (Ranjeetha) als so hilfsbeduerftig identifiziert, dass sie wohl in den naechsten Tagen hier ins Abhaya Shelter ziehen wird. Ihre Eltern sind sehr froh, weil sie nicht wissen, wie lange sie sich noch um ihre Tochter kuemmern koennen. Es wird sicher fuer uns sehr bewegend sein, die Entwicklung von ihr mitzuerleben. Wir sind sehr optimistisch, dass sie sich schnell hier wie die anderen Kinder einleben wird und bald wieder richtig lacht.
Ihr seht also, wir bekommen viel mit von den Traditionen und Festen, koennen uns durch Gespraeche auch gut ueber diese austauschen, erleben viel Armut und Elend, aber koennen auf der anderen Seite Schicksale mit veraendern.

Unsere naechste grosse Aufgabe ist es unsere Kinder aus dem Abhaya zu Hause zu besuchen, um ihren Hintergrund zu erfahren, ihn zu dokumentieren und die Entwicklung bis Ende Februar fest zu halten.
Ausserdem machen wir uns weiter auf die Suche nach PizzaHut, den guenstigsten Schmucklaeden, den besten Kokosnussstaenden und sonstigen Fruchtstaenden, den besten "Eisdielen", den abgefahrensten Geschmacksrichtungen (scharfe unreife Mango- sehr lecker!), den interessantesten Ansichten ueber arrangierte Ehen und natuerlich das beste Futter fuer unseren Paul. Das alles ist uns jetzt moeglich, da wir an unserem freiem Tag alleine in die Stadt fahren duerfen- eine Freiheit von der wir bisher nur getraeumt haben. Unseren ersten Ausflug haben wir vor 2 Wochen mit Laura und Jana aus GSHEC (www.kks-gshec.blogspot.com) unternommen.
Tut uns leid, dass wir so lange nichts aktualisiert haben, aber wir hatten dezente Computerviren und Internetprobleme….und von dem Stromausfaellen reden wir gar nicht mehr…
Allerliebste indische Gruesse
Laura und Kerstin

Samstag, 11. Oktober 2008

Samstag, 11. Oktober- 1 Monat, 4 Wochen, 31 Tage…

Unsere Dachterasse- hier wohnt Paul
Wir mit Paul
Ein Haeufchen Elend: Beleidigter Paul nach dem Bad
Seetha in einem Haus im Tribe (In ihrer Hand hat sie einen Kochloeffel)
Kerstin beim Reis mahlen im Tribal Haus
Wir mit Banana (wohnt auch im Abhaya)
Laura beim Reis mahlen
Beim Essen von Bananenblaettern

Die Eroeffnung eines neuen HIV-Prevention Projekts. Link ist Shanka, der Director
Wir mit Banana und Seetha in ihrem fuer Pooja geschmueckten Haus
Im Aufenthaltsraum vom Abhaya beim Blumenbinden
Seetha und Shila Devi beim Blumenbinden
Die festlich dekorierten Autos fuer Ayudha Pooja (links der Abenteuer- Jeep)


normaler Verkehr in Indien
auch alles ganz normal
Kerstin beim Kokosnuss schluerfen
Laura beim Kokosnuss schluerfen
Stand der SHG fuer Pooja
Kerstin und Yuva Priya in Ooty
Gruppenfoto in Ooty
Lauras Mehendi
Kerstins Mehendi
Rani (Kindermaedchen) Laura und Amma (Koechin- bester Tee!!!)
UNSERE Kinder auf dem Weg zur Schule
Laura und die nichtsahnende Hemalata und Bethamai
Kinder bei der Competition in der Schule
Wir in einer Transgener Community
Unser Zuhause- Abhaya Student Shelter.
Rani Kerstin und Amma
Unser Reich (inzwischen dekoriert)

...bzw. 6324 Stunden sind vergangen seit wir uns in Frankfurt von Deutschland und unseren Freunden und Familien verabschiedet haben. In den vergangen Wochen haben wir uns hier gut eingelebt. Wir haben neue Freunde, die nettesten Mentoren und viele interessante Menschen und ihre Geschichten kennengelernt.
Viele dieser Hintergruende der Menschen haben wir durch unsere Field visits kennengelernt.

Mit den Projekten von APAC, welches sich auf die HIV/ AIDS Prevention in Industrien ausgerichtet hat, hatten wir Gelegenheit eine Druckerei, eine Stahlfabrik und eine Textilindustrie, sowie eine Backsteinfabrik zu besichtigen. Das fazinierende hierbei waren die stark manuell ausgefuehrten Arbeiten. Auch die Sicherheitsbedingungen sind hier nicht mit den deutschen Standards zu vergleichen. Besonders einschlagend haben uns die Lebensverhaeltnisse der Arbeiter der Backsteinfabriken getroffen. Diese sind meist Migranten, die vorwiegend nur bis zu einem halben Jahr in derUmgebung wohnen. Ihre ca. 5 qm grossen Backsteinhuetten muessen bis zu 5 Personen beherbergen. Obwohl es nur eine offene Feuerstelle und unbefestigten Boden gibt, wird einer Familie als Unterhaltung ein TV-Geraet vom Staat bereitgestellt. Trotz dieser oftmals fuer uns unvorstellbaren Lebensbedingungen ueberraschen die betroffenen Menschen mit ihrer Offenherzigkeit und ihrer positiven Lebenseinstellung. Leider haben wir keine Moeglichkeit mehr weiterhin in diesem Projekt zu arbeiten, da nach 7 Jahren Aufklaerungsarbeit und Bereitstellung von Bildung der Kinder das Projekt auslaeuft.

Auch in dem TAI- Projekt versuchen die Sozialabeiter von NMCT HIV/AIDS / STD (Sexual Transmitted Disease) einzudaemmen. Das Augenmerk liegt hierbei auf den Transsexuellen und Homosexuellen Maennern, die vorwiegend ihren Lebensunterhalt mit Prostitution verdienen. Ihnen wird medizinische Unterstuetzung geboten, aber vor allem wurde ihnen ein Zentrum bereitgestellt, in welchem sie ihr wahres Ich in Form von Tanz, Kleidung und generellen Verhalten ausleben koennen, ohne diskriminiert zu werden. Ausserdem wird Wert auf psychologische Hilfe gelegt und ihnen der Weg zu neuen Alternativen in ihrem Berufsleben geebnet.
Auf unserem Fieldvisit haben wir eine der vielen Transgender Community getroffen, die sich in ihrer eigenen Sprache unterhaelt und eine Familienstruktur aufweist, die fuer viele verstossene ein neues Zuhause ist.

Ein weiteren kurzen Einblick bekamen wir im Vimuthka Projekt, indem sich Frauen zu Self-Help-Groups (SHG) formieren um gemeinsam mit Hilfe von Kleinkrediten ein kleines Unternehmen aufbauen, um somit Geld zu verdienen. Es wird auch mit exakter Buchfuehrung darauf geachtet, dass ein jeder beginnt zu sparen, um besonders in Notsituationen nicht auf andere angewiesen zu sein. Desweiteren sind die SHG auch selbst sozial engagiert; so haben sie zum Beispiel die Kinder ausgewaehlt (nach den Kritierien des Lebensstandarts, der Familiensitation und der Bildungsmoeglichkeit) welche jetzt die Chance haben im unserem Abhaya Hostel zu leben.

Und gestern hatten wir den ersten Einblick in das Projekt in einer Tribal Area. Urspruenglich war ein grosses Meeting mit den Eingeborenen geplant. Wie das jedoch in Indien so ist, kam natuerlich alles ganz anders: Aufgrund des Todesfalls einer langjaehrigen Unterstuetzerin des Projektes, wurde das Meeting abgesagt und die Trauerfeier besucht. Bereits der Weg und der Besuch einiger Familien des Tribes war fuer uns sehr neu und abenteuerlich. Es ging ueber Huegel, Schlagloecher und sogar durch einen Fluss (jetzt wissen wir warum wir einen Jeep fahren). Auf dem Weg zu der Beerdigung haben wir immer mehr Menschen aufgelesen, sodas der 7 Sitzer mal wieder ueber 10 Menschen transportierte (wegen Platzmangel mit offenem Kofferraum).
Die Trauerfeier an sich war fuer uns sehr erschreckend und hat uns sehr mitgenommen, da die Angehoerigen lautstark weinend, schluchzend und klagend um den, in einem dunklen kleinen Raum auf Bananenblaettern aufgebahrten Leichnam knieten. Wir haben uns sehr fehl am Platz gefuehlt, und waren aber gleichzeitig froh, einmal nicht im Mittelpunkt zu stehen. Gott sei dank haben wir die Zeremonie verlassen bevor die Leiche in einem offenen Feuer verbrannt wurde. (So ist das im Tribe naemlich Tradition)


Wie man sieht, haben wir dank der Vielseitigkeit der Projekte von NMCT die Moeglichkeit eine Menge verschiedener Erfahrungen mitzunehmen. Obwohl wir schon so viel gelernt, gesehen und erlebt haben, stehen noch einige Projekte aus, die wir kennelernen duerfen. Nie haetten wir erwartet, dass eine 20 Jahre alte, von 2 Menschen (unsere Mentoren Seetha und Shanka) aufgebaute Organisation so weite Kreise schlagen kann.

An jedem neuen Tag, wenn wir von unseren Fieldvisits zurueckkehren, fuehlen wir uns schon so als wuerden wir nach Hause kommen, da wir im Abhaya von den Kindern und Mitarbeitern so herzlich aufgenommen werden. Der Unterricht hat seit einigen Tagen etwas verzoegert angefangen. Allerdings sind momentan 2/3 der Kinder zu Hause wegen Windpocken, aber naechste Woche koennen wir wohl richtig durchstarten. Das wird noch schwieriger als wir uns das vorgestellt haben (und wir sind mit sehr niedrigen Erwartungen eingestiegen) denn viele koennen nicht mal das Alphabet lesen oder schreiben. Aber Ende Februar hoffen wir wenigsten auf ein paar Erfolge zurueckblicken zu koennen. Ansonsten macht das Spielen mit den Kindern natuerlich nach wie vor richtig Spass, und irgendwie haben wir jetzt schon Angst vor dem Abschied. Denn bei so einer kleinen Gruppe von 15 Kindern baut man schnell eine starke Bindung auf.

Neben diesen Taetigkeiten darf das Vergnuegen und vor allem das Kulturelle natuerlich nicht zu kurz kommen. Seetha sorgt dafuer, dass wir soviel neue Fruchtsorten und aber auch Traditionen wie moeglich kennen lernen. So passiert jeden Tag der Biss ins Ungewisse, und der Anblick neuer Merkwuerdigkeiten. Zum Beispiel unsere ersten erlebten Feiertage: Ayudha Pooja. Das Fest zur Verehrung der Bildung (Buecher, LapTop, Busse, oder andere Arbeitsinstrumente). Wir durften life dabei sein beim Kauf der noetigen “Accesoires”: Bananenblaetter und Blumen (welche wir dann selbst in Ketten verarbeiten durften), zum schmuecken diverser Fahrzeuge und Haeusereingaenge, Puffreis Haselnuesse, Kokosnuss und Stangenweise Zuckerrohr (WIR LIEBEN ES!!!) zum knabbern, und natuerlich Farben zur Darstellung der Ehrung durch Bemahlung auf der Stirn, aber auch auf allen anderen vorstellbaren Gegenstaenden.
Natuerlich waren die 2 Feiertage arbeitsfrei. Und nicht nur das: es gilt als verboten an diesen Tagen auch nur ansatzweise mit Bildung zu tun zu haben. Besonders toll fanden wir den Verlauf des Abends, welchen wir bei Seetha zuhause verbringen durften. Es war ein besonderes Erlebnis (weil Kerstins Schuhe von den Hunden kaputtgebissen worden sind) und weil in dem Wohnzimmer eine Art Altar in Form eines Setzkasten mit 100 verschiedenen Figuren aufgebaut war.

Unser Tamil Unterricht macht auch Fortschritte, wir koennen schon richtig schreiben.Leider fehlen uns noch die Vokabeln, aber dass wird dann der naechste Schritt sein. Das schoenste ist einfach, dass wir uns mit den Menschen hier wirklich gut verstehen. Ausserdem koennen wir inzwischen hier in naeherer umgebung umherlaufen OHNE angestarrt zu werden.

Fuer die Hundeliebhaber unter euch: Paul geht es sehr gut, er nimmt fleissig zu. Ausserdem haben wir endlich Flohpuder bekommen, dass heisst er ist jetzt auch sauber. Wir haben ganz viele liebe Ratschlaege bekommen, wie wir ihn am besten grosspflegen sollten…leider sind unsere Moeglichkeiten jedoch beschraenkt, er bekommt meist einfach das zu fressen, was wir auch essen, und zwar: (kurze pause)… Reis!!! Aber uns schmeckt es und ihm auch!

Wir versuchen jetzt noch ein paar Bilder hochzuladen, was aufgrund des staendigen Stromausfalls nicht sehr einfach ist…drueckt (euch) die daumen dass es klappt!

Liebe Gruesse

Laura und Kerstin
PS: Lasst euch nicht von dem Roten Punkt irritieren… Das bedeuted nicht, dass wir verheiratet sind, sondern ist hier einfach Tradtion. Den Indern macht es tierisch Spass uns moeglichst Indisch zu stylen.

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