Mittwoch, 17. Dezember 2008

Montag, 17. Dezember - vom Workshop...


Beim Workshop in Madurai

Meenakshi Tempel in Madurai (wegen Restaurationsarbeiten Tuerme leider verhuellt)Die farbenfrohe und riesige Tempelanlage
Unsere Kinder beim Sonntag morgendlichen Meditieren
Chitra, Banupriya, Murugeswari und Bethamal freuen sich, dass ein Bild gemacht wird
Ein Gruppenfoto von Abhaya beim Besuch von Hemalatha zu HauseBeim Basteln unserer Weihnachtsgruesse
Einige Ergebnisse der mehrstuendigen Aktionen
Manju und Yuva praeparieren die Lichter, die den Eingang von Abhaya zieren sollen Das ist das wunderbare Ergebnis
… zurueck ins Abhaya. Seit gestern Nacht sind wir wieder „zu Hause“ in Coimbatore . Sonntag Mittag haben wir uns mit unserem Direktor auf den Weg nach Madurai begeben. Aufgrund der Einschaetzung des Direktors, der uns als engagierte Freiwillige erlebt, durften wir ihn fuer zwei Tage auf einen Workshop fuer Cooperated Social Responsibility (CSR) begleiten. Es waren ca. 50 Verantwortliche verschiedener NGOs (Non Governmental Organisation) aus ganz Tamil Nadu vertreten. So hatten wir die Chance, viel ueber andere NGOs zu lernen, ueber ihre Aufgabenfelder zu erfahren und neue Kontakte zu knuepfen. Wir wurden auf einige "field visits" und Projektbesuche eingeladen.
Am ersten Tag handelte der Workshop von den Moeglichkeiten einer NGO, wie sie Gelder durch die soziale Verantwortung verschiedener Industrien und Firmen, erhalten koennen.
Da das Nachmittagsprogramm eine Gruppenarbeit auf Tamil war, wurde fuer uns eine Riksha bereitgestelllt. Zusammen mit Pandi, dem Fahrer, konnten wir uns das Ghandi-Museum und den bekannten Meenakshi Tempel ansehen. Fuer uns war es besonders erlebnisreich, da Pandi uns auch Plaetze gezeigt hat, die nicht typisch touristisch waren.
Der Tempel hatte eine grossartige Atmosphaere. Auf der einen Seite Menschen, die glauebig in den Tempel stroemen und auf der anderen Seite das Kommerzialisieren durch hunderte Touristenstaende und aufdringliche Verkaeufer. Wir waren froh, dass wir einen Einblick in die Stadt bekommen konnten.
Der zweite Tag hat sich im Grossen und Ganzen mit der Frage beschaeftigt, wie man als NGO Glaubwuerdigkeit erhalten kann, um Sponsoren und Foerderern Zweifel an dem Unternehmen zu nehmen. Eine Moeglichkeit ist die „Credibility Alliance“ (www.credall.org.in), die einer NGO nach langwieriger Ueberpruefung und Befragung ihre Glaubwuerdigkeit und Transparenz bestaetigt. Viele Details muessen offengelegt werden und im alljaehrlichen Report muessen alle Ausgaben und Vorgaenge dargelegt sein. NMCT ist seit 2 Jahren Mitglied in dieser Alliance.
Der zweite Teil des Tages hatte einen aehnlichen Hintergrund. „GiveIndia“ (www.GiveIndia.org) ist ein Internetportal, in dem jegliche Sponsoren- von Firmen bis Privatpersonen- online spenden koennen. Man kann unter vielen Themenbereichen wie Kinder, Frauen, Gesundheit oder Bildung, und vielen Organisationen, wie auch NMCT waehlen. Der Sponsor bekommt von der NGO ein persoenliches Feedback ueber den Erfolg, der mit der Spende erreicht worden ist. Um als NGO in dem Portal aufgelistet zu werden, sind aehnliche Kriterien wie in „Credibility Alliance“ gefordert. Diese wurden den Direktoren auf dem Workshop erlaeutert.
Fuer uns war es interessant zu sehen, wieviel Aufwand dies eine fuer eine NGO bedeutet, da sie viel ueber die eigenen Arbeitsvorgaenge, Arbeitsweisen und Intentionen reflektieren muessen. Ein solcher Vorgang kann Monate bis Jahre dauern.

Unsere Kinder haben sich riesig gefreut, als wir nach 3 Tagen wieder zu Hause waren, da sie wissen, dass wir sie nun in den Vorbereitungen auf ihre Halbjahresexamen unterstuetzen koennen. Das ist fuer die Kinder immer eine stressige Zeit, sodass wir die letzten, etwas entspannteren Wochen genutzt haben, um mit den Kindern zu basteln.
Neben den Grusskarten fuer alle Unterstuetzer von NMCT haben wir zusammen auch Weihnachts- und Neujahrskarten fuer unsere neue Partnerschule aus Hamburg, „Schule an der Gartenstadt“, hergestellt. Sie haben uns ebenfalls mit Briefen erfreut und ihren Erloes vom schulinternen Weihnachtsmarkt gespendet.

Unsere Case Studies gehen sehr gut voran. Wir haben begonnen, mit den Kindern Einzelgespraeche zu fuehren. Mit Hilfe von Banama, der Counselorin im Abhaya, als Uebersetzerin wollen wir damit zum Einen, die Familienhintergruende und Sorgen der Kinder in Erfahrung bringen und mit ihnen Vergleiche zwischen ihrem „neuen“ Leben im Hostel und vorherigem Leben ziehen. Zum anderen nutzen wir diese Gelegenheit, um mit ihnen ueber ihre Probleme und Aengste zu reden. Das ist fuer uns jedes Mal die Moeglichkeit, sie zu ermutigen und die Kinder freuen sich, wenn wir ihnen Ratschlaege geben koennen.
Diese Gespraeche dauern oft sehr lange, sind sehr intensiv. Da die Kinder zu uns ein sehr grosses Vertrauen aufgebaut haben, sind sie sehr ehrlich und erzaehlen uns oft von den Missstaenden zu Hause und ihren Gefuehlen dazu. Besonders diese Aspekte sind sehr gut, um sie in unsere Case Studies mit einzubauen.

Weihnachten ist jetzt zum Greifen nahe und wir freuen uns darauf mit den anderen Weihnachten zu feiern und uns mit ihnen auszutauschen.
Wir werden wohl keine Zeit mehr haben, vor Weihnachten unseren Blog zu aktualisieren, deshalb wuenschen wir allen fleissigen Lesern Frohe Weihnachten!
Liebe Gruesse
Kerstin und Laura

Montag, 1. Dezember 2008

Montag, 1. Dezember – in 80 Tagen...

Beim Wochenendausflug mit den Kindern auf eine Kokosnussfarm...
... fuehlen wir uns selbst auch wieder klein. Natuerlich schlaegt unser Kokosnussherz dabei schneller.
Unsere fleissigen Schueler glaenzen in ihrem Zwischenexamen momentan fast alle mit sehr guten Noten.
Die Familie von Bethamal (ganz links) konnte die letzten Tage nicht schlafen, weil Regenguesse ihre Huette durchnaesst haben.
Leider hat Mahalakshmi unser Hostel verlassen, weil sie nicht mit der neuen Art von Lernen und Leben zurechtkam.
Stolz zeigen uns die beiden Geschwister Pandi Selvi und Murugeswari ihr Zuhause.Auch Hemalatha war es eine grosse Freude uns die aus getrockneten Bananenblaettern gebaute Huette zu zeigen.
Wir sind hier gluecklich! Happy!
Unser toller selbstgemachter Adventskalendar.
...durch das indische Leben. Unvorstellbar, aber wir sind tatsaechlich schon 80 Tage in Indien. Uns rennt die Zeit davon, bei dem, was wir uns noch fuer die restliche Zeit in Indien vorgenommen haben.
Der Alltag mit den Kindern hat sich mittlerweile sehr gut eingestellt, trotzdem vergeht kein Tag, der uns nicht vor neue Herauforderungen oder Erlebnisse stellt.
So ist unser Wecker morgens schon fest auf 6.30 Uhr programmiert, da die Kinder um 7 Uhr auf unsere Unterstuetzung beim allmorgendlichen Haareflechten vertrauen. Wie es auch bei unserer Schulzeit frueher nicht anders war, werden viele Hausaufgaben noch morgens vor dem Fruehstueck auf dem letzten Druecker erledigt. Schon bald haben unsere Kinder herausgefunden, dass dies wesentlich schneller mit Hilfe von Laura-Akka (sister) und Kerstin-Akka vorangeht. Nach unserem gemeinsamen Fruehstueck und dem taeglichen Ohm-shanti-shanti Gebet, bringen wir die Kinder in die ca. 300 m entfernte Schule.
Die Zeit, die die Kinder in der Schule verbringen, wird von uns auf verschiedenste Weise genutzt, wie wir schon viele Beispiele gebracht haben. Die letzten zwei Wochen haben wir einige unterschiedliche Schulen und Schulformen besucht und koennen uns somit ein grobes Bild von Kindergarten, Grundschule und teurer Privatschule machen. Obwohl wir viele Gemeinsamkeiten feststellen koennen, gibt es auch viele gravierende Unterschiede. Diese sind besonders in der Art und Weise des Lehrens zu entdecken. Schlagstock ist kein Tabu und selbststaendiges Denken wird nicht unbedingt gross geschrieben.
Ausserdem hatten wir an der Privatschule die Moeglichkeit eine Science Exhibition, eine Food Competition und ein kulturelles Fest mit viel Gesang und traditionellem Tanz mitzuerleben. Es ist mittlerweile ganz normal fuer uns, dass wir sogar bei solch grossen Veranstaltungen auf die Buehne geholt werden, um Preise und Geschenke zu ueberreichen, oder einfach nur fuer ein Bild zu posieren.

Wenn es in unserem zeitlichen Rahmen liegt, ist es fuer uns immer eine grosse Freude, unsere Kinder von der Schule abzuholen. Dies endet jedes Mal mit einem Wettlauf, wer als erstes das Hostel erreicht. Anschliessend wird uns auf Englisch, Tamil oder einer seltsamen Mischung von beidem berichtet, was die Maedchen in der Schule erlebt haben. Stolz wird von guten Resultaten erzaehlt, ueber boese Lehrer geklagt oder ueber den Streit mit der besten Freundin diskutiert. Nach unserem Tee und kleinen Snacks wird die Zeit bis zur Study-time mit erneutem Haare machen, Badminton spielen, Fahrrad-fahr-Versuchen, ausgelassenem Rumtoben und natuerlich Carrum Board spielen genutzt. Nachdem die Maedchen ihre Hausaufgaben erledigt haben, ist unser Einsatz als Englischlehrerin gefragt (meist gegen 19.30 Uhr).
Am Nachmittag sind die Kinder ausserdem immer wieder gefragt, zu verschiedenen Zeiten ihr Hostel sauber zu halten, zu waschen und ihren gemeinsamen Schlafraum aufzuraeumen. Ausserdem kommen oefters wichtige Persoenlichkeiten aus der Umgebung in das Hostel, um die Kinder zu sehen, an ihren Schicksalen teilzuhaben und sie durch materielle oder finanzielle Spenden zu unterstuetzen.
Meist hat unser Tag erst um 21.30 Uhr sein Ende, wenn wir Papaya oder Bananenchips essend auf unserer Dachterasse sitzen und mit Pauli (ja Herr Tepel, er ist ein Maedchen) spielend unseren Tag ausklingen lassen.

Unser momentaner Schwerpunkt in unserer Arbeit fuer NMCT liegt in den Case Studies, die wir von unseren Maedchen erstellen. Wir sehen diese Arbeit als einen wichtigen Teil an, von dem das Abhaya Students Shelter langfristig nutzen tragen kann. Neben den Familienhintergruenden und den Schicksalen versuchen wir auch, die Entwicklung der Kinder, seit sie im Hostel leben, zu dokumentieren.
Fuer unsere Studien ist es wichitg, sich nicht nur auf die Kinder zu konzentrieren, sondern auch mit den Eltern ins Gespraech zu kommen. Um einen moeglichst intensiven Eindruck von den Verhaeltnissen der Kinder zu bekommen, besuchen wir mit ihnen zusammen ihr zu Hause. Fuer die Maedchen ist das jedes Mal eine grosse Freude und sie sind stolz uns ihre „Haeuser“ und Familien zu zeigen. Fuer uns ist das jedes Mal von neuem eine bedrueckende Situation, in welch aermlichen und schlechten Verhaeltnissen Menschen leben koennen. Ohne Wasser, Strom, sicherem Dach oder jeglicher Privatsphaere. Auch die Geschichten der Familien, die hinter den Kindern stehen, sind fuer uns oft unvorstellbar. Die Eltern einiger Kinder sind beide HIV positiv und es ist bedrueckend, wie sehr diese Infektion das Leben veraendern kann. Wenn ploetzlich das sichere Einkommen des Vaters wegfaellt, weil er zu schwach ist, um zu arbeiten, steht die Familie auf einmal vor der Frage, wie sie die Miete und das Essen bezahlen soll. Die Kinder stehen ploetzlich vor einer ungewissen Zukunft und wissen oftmals nicht einmal, warum jetzt alles anders ist. Andere haben beide Elternteile verloren und lebten als Waise bei ihren Grosseltern oder Geschwistern, die sich nicht um die Bildung des Kinder kuemmern konnten oder die Notwendigkeit nicht erkannten. Viele dieser Geschichten sind ein Spiegel der Unaufgeklaertheit ueber HIV/Aids oder einfach der Vernachlaessigung von Bildung. Viele der Eltern koennen selbst weder lesen, noch schreiben. Deswegen muss NMCT oftmals viel Ueberzeugungsarbeit leisten, um Angehoerigen der Kinder, die Chance und Vorteile des Hostels nahe zu bringen.
Da wir sehr eng mit unseren Maedchen zusammenleben, koennen wir besonders im alltaeglichen Umgang auch ihre Entwicklung, die wir versuchen in unsere Case Studies einzubinden, am besten beobachten.

Normalerweise sind unsere Informationen ueber Geschehnisse in der Welt oder gar in Indien selbst sehr duerftig und stammen wenn, dann aus heimischen Anrufen und Emails. Doch die Geschehnisse in Mumbai sind auch bei uns ein grosses Thema. Unsere Freunde hier sind sehr mitgenommen von der Tatsache, dass Terror in solchem Masse um sich greifen kann.
Nachdem unter den Todesopfern auch einige Deutsche zu zaehlen sind, haben wir von der indischen Vertretung der Karl Kuebel Stiftung eine eingeschraenkte Bewegungsfreiheit zugeteilt bekommen. Solange die Unruhen anhalten und noch Vieles ungeklaert ist, duerfen wir als Weisse nicht ohne Begleitung in die Stadt fahren.

Obwohl hier in Indien nichts darauf hindeutet, dass die Adventszeit angebrochen ist, freuen wir uns auf Weihnachten. Unser selbstgemachter Adventskalendar haengt schon quer durch unser Zimmer, die Vorbereitung fuer die Dekoration im Aufenthaltsraum der Kinder laeuft auf Hochtouren und das Rezept fuer Omas Vanillekipferl ist auch schon parat. Jetzt fehlt nur noch der Schnee. Stattdessen haben wir hier neben warmen Temperaturen gelegentlichen Regen. Pauli ist inzwischen ein richtig grosses Maedchen geworden und gedeiht praechtig. Sie hat nun fast die Groesse einer Katze erreicht und hoert auf ‚sit’ und ‚lay down’.

Wir wuenschen allen fleissigen Lesern, die sich fuer unser Leben in Indien interessieren, eine schoene Adventszeit.

Laura und Kerstin

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