Montag, 1. Dezember 2008

Montag, 1. Dezember – in 80 Tagen...

Beim Wochenendausflug mit den Kindern auf eine Kokosnussfarm...
... fuehlen wir uns selbst auch wieder klein. Natuerlich schlaegt unser Kokosnussherz dabei schneller.
Unsere fleissigen Schueler glaenzen in ihrem Zwischenexamen momentan fast alle mit sehr guten Noten.
Die Familie von Bethamal (ganz links) konnte die letzten Tage nicht schlafen, weil Regenguesse ihre Huette durchnaesst haben.
Leider hat Mahalakshmi unser Hostel verlassen, weil sie nicht mit der neuen Art von Lernen und Leben zurechtkam.
Stolz zeigen uns die beiden Geschwister Pandi Selvi und Murugeswari ihr Zuhause.Auch Hemalatha war es eine grosse Freude uns die aus getrockneten Bananenblaettern gebaute Huette zu zeigen.
Wir sind hier gluecklich! Happy!
Unser toller selbstgemachter Adventskalendar.
...durch das indische Leben. Unvorstellbar, aber wir sind tatsaechlich schon 80 Tage in Indien. Uns rennt die Zeit davon, bei dem, was wir uns noch fuer die restliche Zeit in Indien vorgenommen haben.
Der Alltag mit den Kindern hat sich mittlerweile sehr gut eingestellt, trotzdem vergeht kein Tag, der uns nicht vor neue Herauforderungen oder Erlebnisse stellt.
So ist unser Wecker morgens schon fest auf 6.30 Uhr programmiert, da die Kinder um 7 Uhr auf unsere Unterstuetzung beim allmorgendlichen Haareflechten vertrauen. Wie es auch bei unserer Schulzeit frueher nicht anders war, werden viele Hausaufgaben noch morgens vor dem Fruehstueck auf dem letzten Druecker erledigt. Schon bald haben unsere Kinder herausgefunden, dass dies wesentlich schneller mit Hilfe von Laura-Akka (sister) und Kerstin-Akka vorangeht. Nach unserem gemeinsamen Fruehstueck und dem taeglichen Ohm-shanti-shanti Gebet, bringen wir die Kinder in die ca. 300 m entfernte Schule.
Die Zeit, die die Kinder in der Schule verbringen, wird von uns auf verschiedenste Weise genutzt, wie wir schon viele Beispiele gebracht haben. Die letzten zwei Wochen haben wir einige unterschiedliche Schulen und Schulformen besucht und koennen uns somit ein grobes Bild von Kindergarten, Grundschule und teurer Privatschule machen. Obwohl wir viele Gemeinsamkeiten feststellen koennen, gibt es auch viele gravierende Unterschiede. Diese sind besonders in der Art und Weise des Lehrens zu entdecken. Schlagstock ist kein Tabu und selbststaendiges Denken wird nicht unbedingt gross geschrieben.
Ausserdem hatten wir an der Privatschule die Moeglichkeit eine Science Exhibition, eine Food Competition und ein kulturelles Fest mit viel Gesang und traditionellem Tanz mitzuerleben. Es ist mittlerweile ganz normal fuer uns, dass wir sogar bei solch grossen Veranstaltungen auf die Buehne geholt werden, um Preise und Geschenke zu ueberreichen, oder einfach nur fuer ein Bild zu posieren.

Wenn es in unserem zeitlichen Rahmen liegt, ist es fuer uns immer eine grosse Freude, unsere Kinder von der Schule abzuholen. Dies endet jedes Mal mit einem Wettlauf, wer als erstes das Hostel erreicht. Anschliessend wird uns auf Englisch, Tamil oder einer seltsamen Mischung von beidem berichtet, was die Maedchen in der Schule erlebt haben. Stolz wird von guten Resultaten erzaehlt, ueber boese Lehrer geklagt oder ueber den Streit mit der besten Freundin diskutiert. Nach unserem Tee und kleinen Snacks wird die Zeit bis zur Study-time mit erneutem Haare machen, Badminton spielen, Fahrrad-fahr-Versuchen, ausgelassenem Rumtoben und natuerlich Carrum Board spielen genutzt. Nachdem die Maedchen ihre Hausaufgaben erledigt haben, ist unser Einsatz als Englischlehrerin gefragt (meist gegen 19.30 Uhr).
Am Nachmittag sind die Kinder ausserdem immer wieder gefragt, zu verschiedenen Zeiten ihr Hostel sauber zu halten, zu waschen und ihren gemeinsamen Schlafraum aufzuraeumen. Ausserdem kommen oefters wichtige Persoenlichkeiten aus der Umgebung in das Hostel, um die Kinder zu sehen, an ihren Schicksalen teilzuhaben und sie durch materielle oder finanzielle Spenden zu unterstuetzen.
Meist hat unser Tag erst um 21.30 Uhr sein Ende, wenn wir Papaya oder Bananenchips essend auf unserer Dachterasse sitzen und mit Pauli (ja Herr Tepel, er ist ein Maedchen) spielend unseren Tag ausklingen lassen.

Unser momentaner Schwerpunkt in unserer Arbeit fuer NMCT liegt in den Case Studies, die wir von unseren Maedchen erstellen. Wir sehen diese Arbeit als einen wichtigen Teil an, von dem das Abhaya Students Shelter langfristig nutzen tragen kann. Neben den Familienhintergruenden und den Schicksalen versuchen wir auch, die Entwicklung der Kinder, seit sie im Hostel leben, zu dokumentieren.
Fuer unsere Studien ist es wichitg, sich nicht nur auf die Kinder zu konzentrieren, sondern auch mit den Eltern ins Gespraech zu kommen. Um einen moeglichst intensiven Eindruck von den Verhaeltnissen der Kinder zu bekommen, besuchen wir mit ihnen zusammen ihr zu Hause. Fuer die Maedchen ist das jedes Mal eine grosse Freude und sie sind stolz uns ihre „Haeuser“ und Familien zu zeigen. Fuer uns ist das jedes Mal von neuem eine bedrueckende Situation, in welch aermlichen und schlechten Verhaeltnissen Menschen leben koennen. Ohne Wasser, Strom, sicherem Dach oder jeglicher Privatsphaere. Auch die Geschichten der Familien, die hinter den Kindern stehen, sind fuer uns oft unvorstellbar. Die Eltern einiger Kinder sind beide HIV positiv und es ist bedrueckend, wie sehr diese Infektion das Leben veraendern kann. Wenn ploetzlich das sichere Einkommen des Vaters wegfaellt, weil er zu schwach ist, um zu arbeiten, steht die Familie auf einmal vor der Frage, wie sie die Miete und das Essen bezahlen soll. Die Kinder stehen ploetzlich vor einer ungewissen Zukunft und wissen oftmals nicht einmal, warum jetzt alles anders ist. Andere haben beide Elternteile verloren und lebten als Waise bei ihren Grosseltern oder Geschwistern, die sich nicht um die Bildung des Kinder kuemmern konnten oder die Notwendigkeit nicht erkannten. Viele dieser Geschichten sind ein Spiegel der Unaufgeklaertheit ueber HIV/Aids oder einfach der Vernachlaessigung von Bildung. Viele der Eltern koennen selbst weder lesen, noch schreiben. Deswegen muss NMCT oftmals viel Ueberzeugungsarbeit leisten, um Angehoerigen der Kinder, die Chance und Vorteile des Hostels nahe zu bringen.
Da wir sehr eng mit unseren Maedchen zusammenleben, koennen wir besonders im alltaeglichen Umgang auch ihre Entwicklung, die wir versuchen in unsere Case Studies einzubinden, am besten beobachten.

Normalerweise sind unsere Informationen ueber Geschehnisse in der Welt oder gar in Indien selbst sehr duerftig und stammen wenn, dann aus heimischen Anrufen und Emails. Doch die Geschehnisse in Mumbai sind auch bei uns ein grosses Thema. Unsere Freunde hier sind sehr mitgenommen von der Tatsache, dass Terror in solchem Masse um sich greifen kann.
Nachdem unter den Todesopfern auch einige Deutsche zu zaehlen sind, haben wir von der indischen Vertretung der Karl Kuebel Stiftung eine eingeschraenkte Bewegungsfreiheit zugeteilt bekommen. Solange die Unruhen anhalten und noch Vieles ungeklaert ist, duerfen wir als Weisse nicht ohne Begleitung in die Stadt fahren.

Obwohl hier in Indien nichts darauf hindeutet, dass die Adventszeit angebrochen ist, freuen wir uns auf Weihnachten. Unser selbstgemachter Adventskalendar haengt schon quer durch unser Zimmer, die Vorbereitung fuer die Dekoration im Aufenthaltsraum der Kinder laeuft auf Hochtouren und das Rezept fuer Omas Vanillekipferl ist auch schon parat. Jetzt fehlt nur noch der Schnee. Stattdessen haben wir hier neben warmen Temperaturen gelegentlichen Regen. Pauli ist inzwischen ein richtig grosses Maedchen geworden und gedeiht praechtig. Sie hat nun fast die Groesse einer Katze erreicht und hoert auf ‚sit’ und ‚lay down’.

Wir wuenschen allen fleissigen Lesern, die sich fuer unser Leben in Indien interessieren, eine schoene Adventszeit.

Laura und Kerstin

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

hab ich eigentlich schon mal gesagt, wie toll ich euch finde? was ihr da alles für die kinder da leistet... es ist wirklich schön zu hören, dass bei euch alles in ordnung ist und dass auch bei euch schon weihnachtliche stimmung aufkommt^^
alles alles liebe von mir!

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